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Putinversteher
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Putinversteher oder Putin-Versteher ist ein politisches Schlagwort, das in der Regel abwertend Personen bezeichnet, die behaupten, oder denen unterstellt wird, Wladimir Putins Sorgen, Erwartungen oder Handeln, insbesondere in der Außenpolitik gegenĂŒber dem Westen, nachvollziehen zu können und unter diesem Deckmantel verteidigen.cite-ref-1[1] Der Begriff tauchte erstmals 2014 im Zuge des russischen Kriegs in der Ukraine auf.cite-ref-dw-com-2-0[2] Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 ging der Begriff als Lehnwort in mehrere Sprachen ein.cite-ref-3[3] Eine analoge Wortbildung ist Stalinversteher, wie etwa Lion Feuchtwanger genannt wird.cite-ref-4[4] Eng verwandt ist das Schlagwort zudem mit dem Begriff Russlandversteher.cite-ref-5[5]

Contents

‱ Definition
‱ In Italien
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Definition

Die Osteuropahistorikerin Franziska Davies in der SĂŒddeutschen Zeitung:

„Über Jahre genossen Putin-Verteidiger (absurderweise als ‚Russland-Versteher‘ bezeichnet) [
] eine hohe PrĂ€senz in der Öffentlichkeit. Mit ihren BĂŒchern wurde Geld verdient, ihre Auftritte versprachen hohe Einschaltquoten. Daran Ă€nderte sich ĂŒber Jahre nichts, obwohl Experten wiederholt darauf hinwiesen, dass deren Thesen auf einer verqueren Russland-Romantik, einer Verharmlosung von eklatanten Menschenrechtsverletzungen durch das Putin-Regime, dem Verdrehen oder Weglassen von Fakten und einem erschreckenden Mangel an Empathie fĂŒr die Opfer Putins in der Ukraine oder anderswo beruhten. Die ‚Russland-Versteher‘ zeichneten sich nicht zuletzt durch einen zutiefst imperialen Blick auf Ostmitteleuropa aus und stellten sich damit in die Tradition eines Denkmusters in Deutschland, deren schlimmste Folgen sich im Zweiten Weltkrieg gezeigt hatten.“cite-ref-6[6]


„Auch unzweifelhaft demokratische Politiker redeten uns in den vergangenen Jahren ein, das System Putin sei schon ganz richtig fĂŒr das große Russland, es sei berechenbar. Und eigentlich seien doch die kriegslĂŒsternen US-Amerikaner an allem schuld, die uns ihr Fracking-Gas verkaufen und obendrein mehr Geld fĂŒr Waffen wollen. Und der russische Oppositionelle Alexej Nawalny, ist der nicht Nationalist? Die Krim schon ‚immer‘ russisch? Das waren die Argumente, mit denen Deutschland in die dramatische AbhĂ€ngigkeit von Russlands Rohstoffen gestĂŒrzt und die deutsche Resilienz geschwĂ€cht wurde.“cite-ref-7[7]

Focus-Redakteur Axel Spilcker:

„Putin galt sogar als Stabilisator im zerfallenden Sowjetimperium. Dialog, Einbindung durch wirtschaftliche Zusammenarbeit – all dies schien der Königsweg zu einem friedlichen Europa inklusive des russischen BĂ€ren zu sein.“cite-ref-8[8]

Der Osteuropa-Spezialist Andreas Umland in der Neuen ZĂŒrcher Zeitung:

„Der Kreml verteidigt mit seiner oft abenteuerlichen Aussenpolitik weniger missachtete nationale Interessen als die Privatinteressen der Machthaber. Putin-Versteher tun den Russen keinen Gefallen. Totschlagargument der sogenannten «Putin-Versteher» in Debatten um westliche Osteuropapolitik ist hĂ€ufig der Vorwurf der Russophobie. Sich verstĂ€ndnisvoll gebende Interpreten der heutigen russischen Aussenpolitik halten Kritikern von Moskaus Verhalten mangelnde Empathie oder gar versteckte Xenophobie bezĂŒglich des russischen Volkes und seiner Traditionen, Sorgen und Anschauungen vor.“cite-ref-9[9]

Der frĂŒhere NZZ-Korrespondent Reinhard Meier in Journal21:

„Der Ausdruck Putin-Versteher muss nicht grundsĂ€tzlich ein negativer Begriff oder gar ein Schimpfwort sein. Diesen verpönten Beigeschmack hat er allgemein erst seit dem mörderischen Überfall Putins auf die Ukraine bekommen. Putin-Versteher gelten heute im gĂ€ngigen Sprachgebrauch als Putin-Claqueure, die im Prinzip gutheissen oder zumindest VerstĂ€ndnis fĂŒr alles signalisieren, was der Kremlherrscher tut. [
] Putin-Versteher argumentieren aus irgendwelchen naiven oder romantischen GrĂŒnden, aus narzisstischem Besserwisser-Reflex oder einfach aus schnödem MarktkalkĂŒl, der russische Angriffskrieg in der Ukraine sei zwar eine schreckliche Entwicklung. Doch gleichzeitig mĂŒsse man auch die Vorgeschichte berĂŒcksichtigen, Putin sei vom Westen immer wieder «gedemĂŒtigt» worden, die erweiterte Nato bedeute aus Moskauer Sicht eine echte militĂ€rische Bedrohung fĂŒr Russland und die Ukraine habe ja historisch immer zum russischen Reich gehört. Aus diesen und andern GrĂŒnden könne man die Verantwortung fĂŒr diesen tragischen Krieg nicht allein Putin zuschieben.“cite-ref-10[10]

Verbreitung des Begriffs

Am 24. Februar 2014 fĂŒhrte Robert Leicht, politischer Korrespondent der Zeit, den Begriff in den Pressediskurs ein. Er empfahl dem „Ex-Kanzler und Putin-Versteher Gerhard Schröder, sich mit seinen RatschlĂ€gen etwas mehr zurĂŒckzuhalten“.cite-ref-11[11] Am 16. MĂ€rz 2014 leitete Leicht einen eigenen Kommentar mit folgenden Worten ein: „Man kommt schnell in den unansehnlichen Ruf des Russlandverstehers, wenn man sich dem kollektiven Zwang zur Verurteilung Putins nicht ohne die geringste Widerrede fĂŒgt.“ In der Zwischenzeit hatten fast alle ĂŒberregionalen Medien die Rede von den Putin-Verstehern – teilweise auch als Moskau- oder Russland-Versteher – in Kommentaren zum russischen Angriff auf die Ukraine ĂŒbernommen.cite-ref-12[12] „Putin-Versteher“ in der Bedeutung „UnterstĂŒtzer des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin im Ukrainekonflikt“ wurde am hĂ€ufigsten als Unwort des Jahres 2014 in Deutschland vorgeschlagen, ausgewĂ€hlt wurde jedoch „LĂŒgenpresse“.cite-ref-dw-com-2-1[2]cite-ref-13[13]

Verwendung des Begriffs

In der bundesdeutschen Politik

Die Tageszeitung Die Welt befand im MĂ€rz 2014 nach der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland: „Die Riege der deutschen Putin-Versteher in der Ukraine-Krise reicht von ganz links bis weit nach rechts.“ Sie zĂ€hlte dazu den SPD-Politiker Gernot Erler, den ehemaligen VizeprĂ€sidenten der EU-Kommission GĂŒnter Verheugen (SPD), den CSU-Politiker Peter Gauweiler und den damaligen stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Armin Laschet.cite-ref-14[14] Laut einem Artikel des WDR in 2022 leisteten Abgeordnete von AfD und Die Linke Propagandahilfe fĂŒr Putin.cite-ref-15[15]

Das Magazin Focus verwies eine Woche vor dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 auf die Hufeisentheorie:

„In der Debatte um Russland und die Ukraine sind sich Rechts- und Linksaußen auffallend einig. Die Putin-Versteher billigen Russland einen »Vorhof« zu und bestreiten die Wirkungsmacht des Völkerrechts. Dagegen steht die komplette Mitte von Union ĂŒber FDP und SPD bis hin zu den GrĂŒnen. Man sieht: die Hufeisentheorie lebt.“cite-ref-16[16]

Der Historiker Gerd Koenen befand zwei Monate nach dem russischen Überfall auf die Ukraine Ende April 2022 im Spiegel:

„Die Garde der Putin-Versteher war ja noch bis in jĂŒngste Zeit eine ziemlich breite Querkoalition: christ- und sozialdemokratische MinisterprĂ€sidenten, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, Entspannungsnostalgiker und Realpolitiker, radikale Linke und extreme Rechte.“cite-ref-17[17]

Der langjÀhrige Osteuropa-Korrespondent Thomas Urban stellte fest:

„Putins autoritĂ€rer und antiwestlicher Kurs, sein machohafter Stil, seine Homophobie und Fremdenfeindlichkeit machen ihn zum Vorbild fĂŒr rechtsextreme Gruppierungen in den EU-LĂ€ndern. [
] Dass er mit diesem Konzept in Deutschland so viel Zuspruch in der Partei Die Linke und bei manchen Altsozialdemokraten gefunden hat, gehört zu den kuriosen Fußnoten unserer Zeit.“cite-ref-18[18]

AfD

Der Spiegel nannte die Alternative fĂŒr Deutschland einen „Hort der Putin-Versteher“, in dem man sich seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 allerdings „in der Russlandfrage uneins“ sei.cite-ref-19[19] Die Zeit zĂ€hlte zu den prominentesten Putin-Verstehern die frĂŒhere Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, den Vorsitzenden Tino Chrupalla sowie dessen VorgĂ€nger Alexander Gauland.cite-ref-20[20] 2013 hatte Gauland vor einer AnnĂ€herung der EU an die Nachfolgestaaten der frĂŒheren Sowjetunion gewarnt. Russland habe „die Loslösung ‚des heiligen Kiew‘, der Keimzelle Russlands, nie verwunden“, schrieb Gauland in einem AfD-Papier. Diese Trennung sei „nur vergleichbar mit der Abtrennung Aachens oder Kölns von Deutschland. Die EU sollte daher eine AnnĂ€herung an diese Staaten nur mit Ă€ußerster Vorsicht und unter Wahrung der Empfindlichkeiten Russlands betreiben.“cite-ref-21[21]

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla wies den Vorwurf einer zu großen NĂ€he zu Russland zurĂŒck: „Ich bin kein Putin-Versteher, ich bin auch kein Washington-Versteher oder BrĂŒssel-Versteher. Ich sehe mich als Politiker, der deutsche Interessen im In- und Ausland vertritt.“ Waffenlieferungen an die Ukraine und Sanktionen gegen Russland lehne er ab, da es sich um einen „Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland“ handle. Der Westen habe „die berechtigten Sicherheitsinteressen Russlands“ ignoriert.cite-ref-22[22] Am 9. Mai 2023, dem Jahrestag des Sieges ĂŒber Nazi-Deutschland, nahm Chrupalla an einem Empfang in der russischen Botschaft in Berlin teil.cite-ref-23[23]

Die RusslandnĂ€he fĂŒhrender AfD-Politiker ist in der Partei allerdings umstritten, die FAZ berichtete im Juli 2023 von einer Konfrontation von „Putin-JĂŒngern“ und „Nato-Boys“.cite-ref-24[24]

Die Linke

MandatstrĂ€ger der Linken erklĂ€rten als Wahlbeobachter des von den russischen Besatzern durchgefĂŒhrten Referendums ĂŒber die UnabhĂ€ngigkeit der Krim am 16. MĂ€rz 2014, dass sie keine UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei dem Urnengang festgestellt hĂ€tten; allerdings verurteilten die Vollversammlung der Vereinten Nationen sowie der Europarat das Referendum als illegal und manipuliert. Der Spiegel stellte daraufhin die Frage: „Ist die Linke eine Partei voller Putin-Versteher?“ Der Verfasser des Artikels gab selbst die Antwort:

„Manches, was in diesen Tagen von der Linkspartei zu hören ist, ist mit den Schlagworten russischer Propaganda durchtrĂ€nkt. [
] Russland verstehen, mit Russland reden. Das ist die Politik, die die Linke in der Krim-Krise anbietet. Es sind alte Muster, die sich auch aus den PrĂ€gungen der Parteiströmungen - hier die DDR-StaatsrĂ€son, dort westdeutscher Antikapitalismus - ergeben. Die Linkspartei sieht es seit jeher als ihre Aufgabe an, russische Interessen zu berĂŒcksichtigen. Die Nato soll ĂŒberwunden werden durch eine Struktur, die Russland einbindet.“cite-ref-25[25]

Gregor Gysi, der Fraktionsvorsitzende der Linken, sagte im Bundestag zur Kritik an Moskau durch die westlichen Staaten, die nach seinen Worten völkerrechtswidrig in die Konflikte im auseinandergebrochenen Jugoslawien eingegriffen und den Irak angegriffen hatten: „Wenn Völkerrechtsverletzer einem Völkerrechtsverletzer vorwerfen, das Völkerrecht zu verletzen, ist das unglaubwĂŒrdig.“cite-ref-26[26] Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 brach Gregor Gysi mit seiner bisherigen Überzeugung und Ă€ußerte: „Ich bin zutiefst entsetzt und mit Putin restlos fertig.“cite-ref-27[27] Im Nachgang richtete sich Gysi an die „Putin-Versteherin“ Sahra Wagenknecht und sechs weitere Genossen und warf ihnen „völlige Emotionslosigkeit“ vor.cite-ref-28[28]

Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko, laut dem Spiegel ebenfalls Putin-Versteher, besuchte 2015 Vertreter des von Moskau eingesetzten Regimes im Donbass.cite-ref-29[29] Den russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 verurteilte Hunko allerdings.cite-ref-30[30]

Der ehemalige MinisterprĂ€sident des Saarlandes und MitgrĂŒnder der Linkspartei Oskar Lafontaine forderte wenige Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur: „Der Westen muss zum Putinversteher werden, sonst gibt es keinen Frieden.“cite-ref-31[31] Im saarlĂ€ndischen Landtag sagte Lafontaine: „Die ganze Politik der westlichen Staaten - natĂŒrlich unter FĂŒhrung der USA, die machen die Politik, niemand anderes - beruht auf LĂŒgen.“ Die USA hĂ€tten auch „einen Umsturz“ in der Ukraine finanziert, sie kreisten Russland und China ein.cite-ref-32[32]

Lafontaines Ehefrau Sahra Wagenknecht, die Der Spiegel „Russland-Versteherin“ und Die Zeit eine „unerschĂŒtterliche Putin-Apologetin“ nannte, behauptete wenige Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, dass Putin „kein Interesse“ an einem Einmarsch in das Nachbarland habe.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34] Bereits 2014 hatte ihr Der Spiegel ein „bemerkenswertes VerstĂ€ndnis“ fĂŒr die völkerrechtswidrige russische Besatzung der Krim vorgehalten.cite-ref-35[35] Im MĂ€rz 2022 gestand Wagenknecht ihren Irrtum bei der Beurteilung Putins ein, sie behauptete aber: „Ohne die schleichende Nato-Integration der Ukraine hĂ€tte es diesen Krieg nicht gegeben.“ Die Zeit befand, dass Wagenknecht mit dieser Argumentation der NATO die Schuld fĂŒr den russischen Angriffskrieg gebe, und stellte die Frage, ob sie noch in deutsche Talkshows gehöre.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37] Auf dem Parteitag der Linken im Juni 2022 scheiterten Wagenknecht und ihre Gefolgsleute unter den Delegierten mit einem Antrag, die Verurteilung des „verbrecherischen Angriffskriegs“ sowie der „nationalistischen, militaristischen und autokratischen Großmachtideologie“ Russlands aus einer ErklĂ€rung der Partei zu streichen.cite-ref-38[38]

Der ebenfalls der Linken angehörende thĂŒringische MinisterprĂ€sident Bodo Ramelow attackierte neben Wagenknecht auch den frĂŒheren Parteivorsitzenden Klaus Ernst als „Putin-Propagandisten“.cite-ref-39[39] Ernst sprach sich gegen die ĂŒber Russland verhĂ€ngten Wirtschaftssanktionen aus und gab der NATO Mitschuld an der Eskalation des Konflikts.cite-ref-40[40] Neben Schröder, dem ehemaligen SED-Chef Egon Krenz und dem AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla nahm Ernst am 9. Mai 2023, dem Jahrestag des Siegs der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, an einem Empfang in der russischen Botschaft in Berlin teil. Die GrĂŒnen-Politikerin Rebecca Harms spracht von den „deutschen Handlangern Putins“.cite-ref-41[41]

Sevim Dağdelen, die dem vom Deutschen Journalistenverband als „Propagandainstrument des Kremls“cite-ref-42[42] eingestuften Sender Russia Today regelmĂ€ĂŸig Interviews gab,cite-ref-43[43] wurde von den Medien ebenfalls zu den fĂŒhrenden Putin-Verstehern in der Bundestagsfraktion der Linken gezĂ€hlt. WĂ€hrend der Euromaidan-Revolution in Kiew in den ersten Wochen des Jahres 2014 nannte sie die prowestliche Opposition „Faschos in MilitĂ€rkleidung“.cite-ref-44[44] Drei Tage vor dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 beschwerte sie sich ĂŒber das „Kriegsgeheul der Nato“.cite-ref-45[45] Die Zeit stellte in diese Reihe auch die Parteivorsitzende Janine Wissler sowie die Abgeordneten Petra Pau und Dietmar Bartsch.cite-ref-46[46]

Der Parteitag der Linken im Juni 2022 verabschiedete eine Resolution, in der der russische Angriffskrieg verurteilt wurde.cite-ref-47[47] Allerdings war zuvor eine ukrainische Sozialistin, die in ihrem Grußwort ĂŒber die Lage in ihrem angegriffenen Land berichtet hatte, von einem Teil der Delegierten ausgebuht worden. Die FAZ befand daraufhin, dass viele in der Partei Putin als „AnfĂŒhrer eines sozialistischen Bruderstaats“ ansĂ€hen.cite-ref-48[48]

SPD

Auch die SPD sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, „Partei der Putin-Versteher“ zu sein.cite-ref-49[49] Das Magazin Focus befand im April 2022 ĂŒber die „russlandfreundlichen Friedensromantiker bei der SPD“:

„Viele von ihnen bezogen sich auf die Ost-AnnĂ€herung von Kanzler Willy Brandt und Egon Bahr, sparten aber den harten außenpolitischen Kurs des Brandt-Nachfolgers Helmut Schmidt aus. Der hanseatische SPD-Hardliner war es, der den Nato-Doppelbeschluss zur Stationierung atomarer Pershing-2-Mittelreckenraketen [sic] als Antwort auf das SS-20-Projekt der damaligen Sowjetunion gegen massiven Widerstand aus der eigenen Partei und der Bevölkerung durchsetzte. Am Ende gab ihm die Geschichte recht. Genau diese Linie der Nato, allen voran der USA, zwang den Warschauer Pakt in die Knie. Der eiserne Vorhang fiel und mit ihm das Sowjetreich.“cite-ref-50[50]

Der Historiker Gerd Koenen schrieb dazu im April 2022 im Spiegel:

„Die deutsche Politik wollte diese Dinge [Putins brutale Kriege in Tschetschenien, Georgien und im Donbass] in ihrer großen Mehrheit nicht sehen oder jedenfalls nicht klar benennen und verurteilen. Jenseits von AfD und Linken wollte die SPD das tatsĂ€chlich am wenigsten – weil sie hartnĂ€ckig daran glaubte, durch ihre altetablierten besonderen Beziehungen zu Russland eine ganz große europĂ€ische ‚Sicherheitsarchitektur‘ (so der magische Begriff) schaffen zu können, die von Wladiwostok bis Lissabon reichen werde, mit Deutschland als einer zentralen Garantie- und BrĂŒckenmacht.“cite-ref-51[51]

Der Historiker Heinrich August Winkler schrieb dazu im Juni 2022 ebenfalls im Spiegel:

„Von Gerhard Schröder hat sich die SPD nun in aller Form distanziert. Zudem kann sie mit Recht darauf verweisen, dass es ‚Putinversteher‘ auch bei den Christdemokraten und Christsozialen, in der deutschen Wirtschaft, unter renommierten Politikberatern und in den sogenannten gebildeten Kreisen gegeben hat und immer noch gibt. Und doch bleibt es erklĂ€rungsbedĂŒrftig, dass FehleinschĂ€tzungen Putins und des Putinismus gerade in der SPD so krass zutage getreten sind.“

Die Wirtschaftswoche kommentierte kurz und knapp:

„Die Russland-Politik der SPD ist ein bleibender Schandfleck fĂŒr die deutschen Sozialdemokraten. Die Partei braucht ein zweites Godesberg.“cite-ref-52[52]

Helmut Schmidt wurde von der Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung wegen Äußerungen ĂŒber die Annexion der Krim 2014 unter die Putinversteher eingereiht.cite-ref-53[53] Der Altbundeskanzler hatte sich an der Kritik des Westens an der völkerrechtswidrigen Annexion gestört, Putins Vorgehen hingegen als „durchaus verstĂ€ndlich“ bewertet.cite-ref-zeit-online-m-rz-2014-54-0[54]

Gerhard Schröder bekam vom Spiegel das Etikett „Frontmann der Putin-Versteher“. Der einstige Schachweltmeister Garri Kasparow bezeichnete den frĂŒheren Bundeskanzler sogar als „Handlanger des Regimes Putins“. Er war laut Kasparow „Putins fettester Fang“, durch sein BĂŒndnis mit einem „autoritĂ€ren SchlĂ€gertypen“ habe er die Demokratiebewegung in Russland geschĂ€digt.cite-ref-55[55] Schröder bezeichnete Putin als „lupenreinen Demokraten“, begrĂŒndete gemeinsam mit ihm das Pipeline-Projekt Nordstream und wurde spĂ€ter Aufsichtsrat des staatlichen russischen Energiekonzerns Rosneft; er ist enger persönlicher Freund Putins.cite-ref-56[56] Ende 2021 antwortete er in einem Interview auf die Frage: „FĂŒrchten Sie, dass Russland in die Ukraine einmarschiert?“: „Was? Wer hĂ€tte ein Interesse daran? Dass Russland territoriale VerĂ€nderungen will, kann ich mir nicht vorstellen.“cite-ref-57[57] Im April 2022 wurde ein Parteiausschlussverfahren gegen Gerhard Schröder wegen dessen anhaltender NĂ€he zu Wladimir Putin eingeleitet, nachdem 14 AntrĂ€ge darauf von verschiedenen Gliederungen der SPD gestellt worden waren.cite-ref-58[58] Die AntrĂ€ge wurden im MĂ€rz 2023 abgelehnt, Schröder blieb SPD-Mitglied.cite-ref-59[59]

Frank-Walter Steinmeier, der erst als Chef des Kanzleramtes unter Schröder, dann als langjĂ€hriger Bundesaußenminister die Russlandpolitik Berlins maßgeblich mitbestimmt hat, galt in den osteuropĂ€ischen EU-Staaten als „Russlandversteher“.cite-ref-60[60] Als Minister warf er den Kritikern der Außenpolitik des Kremls „lautes SĂ€belrasseln“ vor.cite-ref-61[61] Der Spiegel befand, Steinmeier sei „dem Mann im Kreml zu lange auf den Leim gegangen“.cite-ref-62[62] Seit seiner Wahl zum BundesprĂ€sidenten 2017 ging Steinmeier auf Distanz zu Putin. Im FrĂŒhjahr 2022 erklĂ€rte er, Putin habe sich zu einem »eingebunkerten Kriegstreiber« entwickelt. „Es war eine FehleinschĂ€tzung, dass wir – und auch ich – gedacht haben, dass auch ein Putin des Jahres 2022 am Ende nicht den totalen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Ruin des Landes hinnehmen wĂŒrde fĂŒr seinen imperialen Wahn.“cite-ref-63[63]

Sigmar Gabriel, ehemaliger Wirtschafts- und Außenminister, bekam vom Magazin Focus das Etikett „ehemaliger Putin-Versteher“.cite-ref-64[64] Auch Die Zeit zĂ€hlte Gabriel zu den „Putin-Verstehern“ und warf ihm vor, er habe 2014 den Verkauf der grĂ¶ĂŸten deutschen Gasspeicher von BASF an Gazprom fĂŒr unbedenklich erklĂ€rt und ĂŒberdies als Wirtschaftsminister „Geburtshilfe“ fĂŒr Nord Stream 2 geleistet.cite-ref-65[65]

Martin Schulz, der frĂŒhere PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Parlaments und frĂŒhere SPD-Vorsitzende, wurde vom Magazin Focus zu den Putinverstehern gezĂ€hlt. Er habe der „Hannover-Moskau-Connection“ um Schröder angehört und sei hĂ€ufig „auf Kuschelkurs zu Moskau“ gegangen. Als der russische Dissident Alexei Nawalny vergiftet wurde, sprach sich Schulz dagegen aus, das Projekt Nord Stream 2 in Sanktionsmaßnahmen gegen Moskau einzubeziehen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine rĂ€umte er im MĂ€rz 2022 ein, das Aggressionspotenzial Putins unterschĂ€tzt zu haben.cite-ref-66[66]

Manuela Schwesig, MinisterprĂ€sidentin von Mecklenburg-Vorpommern, wurde wegen ihres Engagements fĂŒr Gazprom und Nord Stream gar „Marionette Moskaus“ und „Handlangerin Putins“ genannt. Auch sie sprach sich dagegen aus, wegen des Anschlags auf Nawalny weitere Sanktionen ĂŒber Moskau zu verhĂ€ngen.cite-ref-67[67] Ihr wurde ihr Einsatz fĂŒr die Stiftung Klima- und Umweltschutz MV vorgehalten, die gegrĂŒndet worden war, um Sanktionen gegen Gazprom zu umgehen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine sprach sie von einer „klaren Verletzung des Völkerrechts“. Zu ihrem Engagement fĂŒr Nord Stream 2 erklĂ€rte sie: „Wir haben uns im guten Glauben fĂŒr den Austausch mit Russland eingesetzt. Was damals richtig erschien, hat sich im Nachhinein als falsch erwiesen.“cite-ref-68[68]

Rolf MĂŒtzenich, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, wurde ebenfalls von manchen Medien zu den „Putinverstehern“ gezĂ€hlt, was er nach eigenen Worten nicht nachvollziehen konnte. Doch rĂ€umte er ein, Putin falsch eingeschĂ€tzt zu haben, mit dem Angriff vom 24. Februar 2022 sei bei ihm „eine Reihe vermeintlicher Gewissheiten zerbrochen“.cite-ref-69[69]cite-ref-70[70]

Matthias Platzeck (SPD), der 2013 als MinisterprĂ€sident von Brandenburg zurĂŒcktrat und im Jahr darauf den Vorsitz des Deutsch-Russischen Forums ĂŒbernahm, forderte im November 2014, die Annexion der Krim völkerrechtlich anzuerkennen: „Die Annexion der Krim muss nachtrĂ€glich völkerrechtlich geregelt werden, so dass sie fĂŒr alle hinnehmbar ist. Wir mĂŒssen eine Lösung finden, bei der Putin nicht als Verlierer vom Feld geht.“cite-ref-71[71] In seinem 2020 erschienenen Buch „Wir brauchen eine neue Ostpolitik“ behauptete er, dass von Russland keine Gefahr ausgehe, der Westen solle die Krim als russisches Territorium anerkennen.cite-ref-72[72] Auch forderte er die Aufhebung der ĂŒber Russland verhĂ€ngten Sanktionen. Der Spiegel nannte ihn den „langjĂ€hrigen Chef-Russlandversteher“.cite-ref-73[73] Doch im MĂ€rz 2022 erklĂ€rte er: „Den Völkerrechts- und Kulturbruch, den der russische PrĂ€sident mit dem Überfall auf das Nachbarland, die Ukraine, befohlen hat, habe ich nicht fĂŒr möglich gehalten.“ Jetzt mĂŒssten „unzĂ€hlige Menschen leiden“, sei die Welt noch gefĂ€hrlicher geworden. „Ich hĂ€tte es klarer sehen mĂŒssen.“ Platzeck trat als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums zurĂŒck.cite-ref-74[74]

Klaus von Dohnanyi, Hamburgs ehemaliger BĂŒrgermeister, gab im Januar 2022 in einem Interview zu Protokoll: „Ich sehe keine Radikalisierung bei Putin. Ich sehe eher die konsequente Verfolgung seines Ziels, wieder ein Faktor in der Weltpolitik zu werden.“ Der Westen habe Putin an die Seite Chinas gedrĂ€ngt, um des Friedens willen mĂŒsse Deutschland die Amerikaner davon ĂŒberzeugen, die Feindschaft mit Russland zu beenden.cite-ref-75[75] In seinem kurz vor dem russischen Überfall erschienenen Buch Nationale Interessen verurteilte er die „DĂ€monisierung Putins“ und beschrieb die Politik der NATO als alleinige Gefahr fĂŒr Europa. „NatĂŒrlich habe ich mich geirrt“, gestand er zwei Wochen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ein, hielt aber an den VorwĂŒrfen an die Adresse des Westens fest.cite-ref-76[76] Im Interview mit dem Politmagazin Cicero vom Mai 2025 sagte Dohnanyi: „Putin-Versteher? Empfinde ich nicht als Beschimpfung.“cite-ref-77[77]

Ralf Stegner, fĂŒhrender Kopf der „Parlamentarischen Linken“ in der SPD, machte sich ebenfalls einen Namen als Putinversteher. Auch er nannte Warnungen westlicher Politiker und Publizisten vor dem russischen MilitĂ€raufmarsch an der Grenze zur Ukraine Ende 2021 „verbales SĂ€belrasseln“ gegenĂŒber Moskau.cite-ref-78[78] Er warf den Kritikern der Russlandpolitik der Großen Koalition „einen rechthaberischen, besserwisserischen und unversöhnlichen Kulturkampfton“ vor, doch wurde ihm im Gegenzug vorgehalten, er unterstelle diesen Kritikern die „Rhetorik des Dritten Reichs“.cite-ref-79[79]

Als Außenseiter in der SPD galt hingegen Heiko Maas in seiner Zeit als Bundesaußenminister (2018–2021). Wegen seiner Kritik an der Politik Moskaus wurde er von fĂŒhrenden SPD-Politikern kritisiert, ihm wurde vorgeworfen, die Prinzipien der Ostpolitik Willy Brandts zu verraten.cite-ref-80[80]

Michael Roth, der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses, forderte im April 2022 seine Partei auf, ihre Russland-Politik aufzuarbeiten. Die SĂŒddeutsche Zeitung zitierte ihn mit den Worten:

„Die VerstĂ€ndigung mit Russland, die viele eingefordert haben, ging jahrelang zulasten der anderen Staaten des östlichen Europas, denen man faktisch ihre SouverĂ€nitĂ€t abgesprochen hat, um aus ĂŒbergeordnetem Interesse Frieden und VerstĂ€ndigung mit Russland zu erreichen. [
] Wir mĂŒssen uns fragen, wieso wir so viele Putin-Versteher hatten. Die deutsche Bevölkerung war ja bis zum Schluss mehrheitlich der Auffassung, dass wir Nachsicht mit Putin ĂŒben mĂŒssen, um den Frieden um jeden Preis zu wahren.“cite-ref-81[81]

CDU/CSU

Auch Politiker von CDU/CSU wurden von deutschen Medien unter die „Putinversteher“ eingereiht.cite-ref-82[82] Es waren wirtschaftsfreundlich orientierte Politiker in der Union, die die EU-Sanktionen kritisierten. Der Osteuropa-Historiker Jan Claas Behrends stellte dazu fest, es sei diesen Kreisen „recht pragmatisch wohl eher ums GeschĂ€ftemachen“ gegangen: „Das war eine Politik, die Frau Merkel durchgesetzt hat, bis zum Schluss, wo sie in ihrer letzten Legislaturperiode noch konsequent verweigert hat, dass auch nur eine Flinte an die Ukraine geliefert wird.“cite-ref-83[83]

Der spĂ€tere CDU-Vorsitzende Armin Laschet wurde von der Welt nach der Annexion der Krim 2014 zu den „Putinverstehern in Deutschland“ gezĂ€hlt.cite-ref-welt-de-m-rz-2014-84-0[84] Laschet behauptete damals, zu viele Journalisten hĂ€tten sich ohne Not auf einen „Anti-Putin-Populismus“ festgelegt.cite-ref-85[85]

FDP

Auch die FDP geriet in den Verdacht, eine Partei der „Putinversteher“ zu sein. Diese EinschĂ€tzung ergab sich fĂŒr die taz 2017 aus einem Vorschlag Christian Lindners, die Krim mĂŒsse als „dauerhaftes Provisorium“ angesehen werden.cite-ref-86[86]

Als fĂŒhrender „Putinversteher“ in der FDP galt Wolfgang Kubicki. Er forderte die Lockerungen der ĂŒber Russland verhĂ€ngten Sanktionen und gab der NATO die Mitschuld an der Eskalation des russisch-ukrainischen Kriegs.cite-ref-87[87] Im August 2022 forderte er die Öffnung der Ostseepipeline Nord Stream 2, doch FDP-Chef Lindner nannte die Forderung „falsch und abwegig“; auch Vertreter der Koalitionspartner SPD und GrĂŒne kritisierten Kubicki.cite-ref-88[88] Auch die Jungen Liberalen, die Jugendorganisation der FDP, kritisierten Kubicki scharf.cite-ref-89[89] Allerdings rĂ€umte dieser gegenĂŒber dem Spiegel auch ein, sich fundamental in seiner EinschĂ€tzung Putins geirrt zu haben: „Im Prinzip haben sich durch den Angriff Russlands auf die Ukraine 50 Jahre meiner politischen Agenda in Luft aufgelöst.“cite-ref-90[90]

In Italien

Deutsche Berichterstatter verwenden den Begriff fĂŒr italienische Politiker und Parteien, denen eine besondere AffinitĂ€t zu Putin nachgesagt wird. Im Italienischen werden dafĂŒr die Begriffe amigo di Putin oder putiniano geprĂ€gt. Dazu gehören viele einstige sowjetnostalgische AnhĂ€nger der untergegangenen Kommunistischen Partei Italiens ebenso wie der rechts und euroskeptisch orientierten Parteien, an erster Stelle die Lega mit ihrem Spitzenmann Matteo Salvini und Cinque Stelle.cite-ref-91[91]

Der Spiegel nannte auch den ehemaligen MinisterprĂ€sidenten Silvio Berlusconi einen Putin-Versteher. Berlusconi habe laut einer heimlich aufgenommenen Rede vor Kollegen der Forza Italia im Parlament Putin den „Ersten seiner fĂŒnf besten Freunde“ genannt.cite-ref-92[92]

Im Journalismus und Kulturbereich

Die Publizistin Alice Schwarzer schrieb im MĂ€rz 2014 in einem Essay mit der Überschrift „Warum ich trotz allem Putin verstehe!“ auf ihrer Website: „Putin scheint heute das kleinere Übel – und in den Augen seiner Landsleute mutiert er gerade zum Helden. Der Westen wĂ€re also gut beraten, weniger hoffĂ€rtig zu sein.“ Die Annexion der Krim setzte Alice Schwarzer mit der einseitig erklĂ€rten Loslösung des Kosovo von Serbien gleich. Zur Situation des Landes sagte sie: „Heute ist Russland umzingelt: an der SĂŒdflanke von ĂŒberwiegend islamistisch beherrschten Staaten, an der Westflanke von Demokratien, die in dem satten GefĂŒhl ihrer ökonomischen Macht in der Offensive sind.“cite-ref-93[93] Die Publizistin Gabriele Krone-Schmalz, die bereits zu den Unterzeichnern des Appells fĂŒr eine andere Russlandpolitikcite-ref-94[94] gehörte, wurde gleich von mehreren Medien mit der Bezeichnung „Putin-Versteher“ etikettiert.cite-ref-95[95]cite-ref-96[96] Krone-Schmalz selbst bezeichnete diese Bezeichnung als „einfach abartig und dumm“.cite-ref-97[97]

Der von Russland finanzierte Fernsehsender RT Deutsch lud den ostdeutschen Kabarettisten Uwe Steimle zu einem „GesprĂ€ch unter Putinverstehern“ ein.cite-ref-98[98] Im Mai 2023 Ă€ußerte Steimle, er halte Putin „fĂŒr einen klugen Politiker, der [...] noch seine sieben Sinne beisammen“ habe, und er schĂ€tze „ihn als Menschen sehr“.cite-ref-99[99] Der linke Liedermacher, langjĂ€hrige Bundestagsabgeordnete und ehemalige Stasi-IM Diether Dehm bezeichnete sich unmittelbar nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 in einem GesprĂ€ch mit dem Journalisten Boris Reitschuster vor der Flagge der Sowjetunion sitzend weiterhin als „Putinversteher“.cite-ref-100[100]

Nach den EnthĂŒllungen um den Putin-Biografen Hubert Seipel, der hohe Geldsummen aus Russland erhalten hatte, schrieb Markus Wehner 2023 in der FAZ, dass deutsche Talkshows Putinversteher und Kreml-Apologeten jahrelang hofiert hĂ€tten.cite-ref-101[101]

Siehe auch

‱ Putinismus

Weblinks

Wiktionary: Putinversteher

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Gregor Peter Schmitz: „Putin-Versteher“ im Westen. In: archive.org. Deutschlandfunk, 26. Februar 2022, abgerufen am 24. Mai 2022.
‱ Andrea Maurer: Russland-Ukraine-Konflikt: „Putin verstehen“ mit der Linken. ZDF.de, 21. Februar 2022.
‱ Von ganz links bis rechts außen: Italien ist das Land der vielen Putin-Versteher. n-tv.de, 14. MĂ€rz 2022.
‱ Deutsches Wort „Putinversteher“ macht weltweit Karriere. br.de, 5. April 2022.
‱ Putinversteher bekommt englischen Wikipediaeintrag. faz.net, 4. April 2022.
‱ Christoph Brumme: Russland kann gar nicht anders? Die faulen Tricks der Putin-Versteher und Möchtegernpazifisten, nzz.ch vom 24. April 2022.

Einzelbelege

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